Schlagwort

Conceptual Engineering

11 Texte

A Polyphonic Conception of AI Understanding

Mit Pierre Beckmann.

Argumentiert, dass die Frage, ob grosse Sprachmodelle verstehen, wovon sie sprechen, zugleich unausweichlich und falsch gestellt ist: unausweichlich, weil Nutzerinnen und Nutzer Ausgaben, die epistemisches Vertrauen verdienen, von solchen unterscheiden müssen, die es nicht tun, und kein rein mathematisches oder statistisches Vokabular diese Grenze ziehen kann, ohne den Begriff des Verstehens der Sache nach wieder einzuführen; falsch gestellt, weil der überkommene Begriff einen einzigen Sitz des Verstehens voraussetzt. Die mechanistische Interpretierbarkeitsforschung zeigt dagegen, dass LLMs zutiefst polyphone Systeme sind, deren Ausgaben aus parallelen Mechanismen ungleicher Zuverlässigkeit hervorgehen. Gestützt auf Belege für medizinisches, mathematisches, logisches und räumliches Verstehen in LLMs entwickelt der Aufsatz eine für solche Systeme geeignete Konzeption: Ein Modell versteht einen Bereich in dem Masse, wie es über solide Schaltkreise verfügt, die relevante Strukturen erfassen, und diese zuverlässig zur Steuerung seiner Ausgaben heranzieht – womit scheinbar müssige metaphysische Streitfragen zu bearbeitbaren empirischen Fragen werden, an denen sich die Zuteilung von Vertrauen orientieren kann.

PDF herunterladen


Conceptual Engineering

In Metzler Handbuch Analytische Philosophie. Hans-Johann Glock, Christoph Pfisterer und Stefan Roski (Hrsg.). Stuttgart: Metzler.

Das Conceptual Engineering richtet die analytische Philosophie neu aus: weg von der deskriptiven Analyse bestehender Konzepte hin zur normativen Aufgabe, repräsentationale Mittel zu bewerten und zu verbessern, um unseren theoretischen und praktischen Zwecken besser zu dienen. Dieser Eintrag zeichnet die intellektuelle Genealogie der Methode nach, von Rudolf Carnaps Explikation und pragmatistischer Rekonstruktion bis hin zu den zeitgenössischen „funktionalistischen“ und „ameliorativen“ Ansätzen, die von Haslanger, Simion und Kelp vertreten werden. Abschliessend wird die aktuelle „angewandte Wende“ (applied turn) der Disziplin untersucht, indem dargelegt wird, wie die neuere Forschung der Jahre 2024 bis 2026 diese Methoden operationalisiert hat, um konkrete Probleme in der Sozialontologie, der künstlichen Intelligenz und der Medizin zu adressieren.

PDF folgt

Explication or Amelioration? Carnapian Clarification as the Normative Basis for Conceptual Engineering

The Monist. Sonderheft zu Explication and Conceptual Engineering.

Da das Conceptual Engineering in eine nach Exaktheit strebende Explikation und eine nach Gerechtigkeit strebende Amelioration auseinanderzubrechen droht, läuft das Forschungsfeld Gefahr, seinen Fokus zu verlieren. Ich vertrete die These, dass eine Vereinigung dieser Projekte die Rückbesinnung auf eine zentrale Einsicht Rudolf Carnaps erfordert: dass jeder Versuch der Begriffsverbesserung mit dem vorläufigen Stadium der praktischen Klärung beginnen muss. Carnaps Auffassung von Klärung im Sinne prognostischer Leistungsfähigkeit bleibt jedoch normativ inert und einseitig auf Exaktheit ausgerichtet. Ich erweitere diesen Ansatz zu einer normativen Diagnose der Bedürfnisse, die der inferenziellen Struktur eines Begriffs zugrunde liegen. Dies macht deutlich, ob Eigenschaften wie Vagheit zu behebende Mängel oder bewahrenswerte Merkmale darstellen.

PDF herunterladen

Needs of the Mind: How Aptic Normativity Can Guide Conceptual Adaptation

Philosophical Studies 183 (6): 1719–1746. 2026.

Der Aufsatz entwickelt eine Theorie der „Bedürfnisse des Geistes“ als einer spezifisch aptischen Normativität – einer Normativität der Angemessenheit. Nach einer Rekonstruktion der Geschichte verschiedener Bedürfnisauffassungen und ihrer allmählichen Subjektivierung konzentriert sich der Aufsatz auf begriffliche Bedürfnisse und argumentiert, dass sie eine kognitive Deprivation anzeigen, die über einen blossen Mangel an Wörtern hinausgeht: Sie markieren eine Diskrepanz zwischen unserem Begriffsrepertoire und unserer Situation und lenken Conceptual Engineering von einer distanzierten Verbesserung hin zu situierter Anpassung. Dadurch eignet sich ein Needs‑First‑Ansatz in besonderer Weise dazu, begriffliche Anpassung in Zeiten technologischer Umbrüche zu leiten.

PDF herunterladen

The Ethics of Conceptualization: Tailoring Thought and Language to Need

Oxford: Oxford University Press. 2025.

Philosophie will uns einen festeren Halt an unseren Begriffen geben. Aber was ist mit ihrem Halt an uns? Warum sollten wir uns der Herrschaft eines Begriffs unterstellen und ihm die Autorität geben, unser Denken und Handeln zu prägen? Eine andere Begriffsbildung hätte andere Implikationen. Was macht eine Denkweise besser als eine andere? Dieses Buch entwickelt einen Rahmen zur Beurteilung von Begriffen. Leitend ist die Idee, dass die Frage nach der Autorität von Begriffen nach Gründen besonderer Art verlangt: Gründe für den Begriffsgebrauch, die uns sagen, welche Begriffe wir übernehmen, beibehalten oder aufgeben sollten, und die damit die Gründe für Handeln und Glauben, die unsere Überlegungen leiten, stützen – oder untergraben. Traditionell hat man solche Gründe entweder in zeitlosen rationalen Fundamenten oder in den angeblichen Tugenden von Begriffen gesucht, etwa Präzision und Konsistenz. Dagegen vertritt das Buch zwei Hauptthesen: dass wir Gründe für den Begriffsgebrauch in den begrifflichen Bedürfnissen finden, die wir entdecken, wenn wir uns kritisch von einem Begriff distanzieren und ihn aus der autoethnografischen Perspektive betrachten; und dass mitunter gerade Begriffe, die in Konflikt geraten oder andere Laster wie Vagheit oder Oberflächlichkeit aufweisen, das sind, was wir brauchen. Indem wir nicht fragen, welche Begriffe absolut am besten sind, sondern welche Begriffe wir jetzt brauchen, können wir uns mit der Kontingenz unserer Begriffe versöhnen, den rechten Platz von Bemühungen um begriffliches Aufräumen bestimmen und zwischen konkurrierenden Begriffsauffassungen der Dinge entscheiden – selbst bei so umstrittenen Dingen wie Freiheit oder freiem Willen. Ein bedarfsbasierter Ansatz trennt hilfreiche Klärung von lähmendem Ordnungssinn und autoritative Definition von begrifflichem Gerrymandering.

PDF herunterladen

Conceptual Engineering and the Politics of Implementation

Pacific Philosophical Quarterly 103 (3): 670–691. 2022. Mit Friedemann Bieber.

Argumentiert, dass der Grad an Kontrolle, den wir über begrifflichen Wandel haben, selbst etwas ist, das wir beeinflussen können. Und während manche Bereiche die Institutionalisierung der Macht erfordern, begriffliche Innovationen durchzusetzen – weil es starke praktische Zwänge gibt, sich auf eine einheitliche, harmonisierte Fachterminologie zu koordinieren –, gibt es zugleich liberale und demokratische Gründe dafür, Conceptual Engineering standardmässig schwer umsetzbar zu machen.

PDF herunterladen

Function-Based Conceptual Engineering and the Authority Problem

Mind 131 (524): 1247–1278. 2022.

Identifiziert ein zentrales Problem des Conceptual Engineering – das Problem, die Autorität von „konstruierten“ Begriffen zu begründen – und argumentiert, dass dieses Problem sich im Allgemeinen nicht durch den Verweis auf grössere Präzision, Konsistenz oder andere theoretische Tugenden lösen lässt. Eine Lösung erfordert, dass Conceptual Engineering eine funktionale Wende vollzieht und die Funktionen von Begriffen in den Blick nimmt. Das hilft zudem, Strawson’sche Sorgen über Themenwechsel zu entschärfen.

PDF herunterladen

Genealogy, Evaluation, and Engineering

The Monist 105 (4): 435–51. Auf Einladung. 2022.

Argumentiert, dass genealogische Erklärungen dazu genutzt werden können, begriffliche Praktiken zu bewerten und zu verbessern, und nimmt als Beispiel den durch die zunehmende Macht internationaler Institutionen entstandenen Bedarf an begrifflicher Innovation rund um den Begriff der Legitimität.

PDF herunterladen

Choosing Values? Williams contra Nietzsche

The Philosophical Quarterly 71 (2): 286–307. 2021.

Hebt anhaltende epistemische und metaphysische Schwierigkeiten hervor, die jedem Projekt entgegenstehen, die Werte, nach denen wir leben, zu bewerten und zu verbessern – auch in der zeitgenössischen begrifflichen Ethik und im Conceptual Engineering – und argumentiert, dass Versuche, diese Schwierigkeiten zu umgehen, der Illusion Saint-Justs erliegen: dem Irrtum, zu glauben, ein Wertegefüge aus einem politischen Kontext lasse sich erfolgreich in einen anderen politischen Kontext verpflanzen.

PDF herunterladen

The Points of Concepts: Their Types, Tensions, and Connections

Canadian Journal of Philosophy 49 (8): 1122–1145. 2019.

Indem er vier Bedeutungen unterscheidet, in denen man sagen kann, dass Begriffe einen „point“ haben, löst dieser Aufsatz die Spannung zwischen dem Anspruch von Erklärungen, die beim Witz eines Begriffs ansetzen, informativ zu sein, und der – für Dummetts Sprachphilosophie, aber auch für die Literatur zu thick concepts zentralen – These, dass die Beherrschung von Begriffen bereits das Erfassen ihres „point“ voraussetzt.

PDF herunterladen