Porträt von Matthieu Queloz

Matthieu Queloz

Willkommen

Ich bin Ambizione-Fellow an der Universität Bern und trete demnächst an der Universität Zürich eine Professur des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) an. Der rote Faden meiner Arbeit ist der Begriffswandel: wie unsere Begriffe entstehen und sich wandeln, was manche Denkweisen besser macht als andere und wie sich unser Denken und Sprechen auf das Aufkommen kognitiver Systeme einstellen muss, deren Formen des Verstehens sich von den unseren radikal unterscheiden. Diesen Fragen gehe ich sowohl als Philosophiehistoriker als auch als Philosoph des Geistes und der Sprache nach. Historisch habe ich rekonstruiert, wie frühneuzeitliche Philosophen von Ramus und Keckermann bis zu Leibniz und Kant das Denken zu systematisieren begannen, und wie Hume und Nietzsche, Wittgenstein und Williams die Entstehung und Entwicklung unserer Begriffe und Normen erklärten, indem sie diese auf die Bedürfnisse zurückführten, denen sie dienen. Systematisch habe ich eine Konzeption entwickelt, wie sich Begriffe bewerten, gezielt gestalten und an unsere Bedürfnisse anpassen lassen, und leite nun ein fünfjähriges Forschungsprojekt zu Begriffen, Verstehen und Normativität in grossen Sprachmodellen: welche Formen des Verstehens und welche Weltmodelle in neuronalen Netzen entstehen, inwieweit diese normatives Urteilen nachbilden können, und wie weit sich unsere Begriffe des Verstehens und Schliessens dehnen lassen, um ihnen gerecht zu werden. Beide Stränge treffen sich im Rad oben: Llullsche Begriffsräder inspirierten Leibniz’ Begriffskalkül, das seinerseits eine zentrale Inspiration für die künstlichen neuronalen Netze von McCulloch und Pitts war. Das entstehende Feld der mechanistischen Interpretierbarkeit sehe ich in der Kontinuität des frühneuzeitlichen Projekts, die Kognition mechanistisch durch Reverse Engineering zu entschlüsseln, und ich versuche, Einsichten der philosophischen Tradition in eigener Interpretierbarkeitsforschung fruchtbar zu machen. Ich bin Mitglied der Digital Society Initiative und Gründer des Philosophy with Mechanistic Interpretability Network.

Ich habe drei Bücher bei Oxford University Press veröffentlicht; meine Aufsätze sind in Mind, Philosophy and Phenomenological Research, Philosophical Studies, Philosophers' Imprint, The Philosophical Quarterly, European Journal of Philosophy, The Monist, Archiv für Geschichte der Philosophie, British Journal for the History of Philosophy, Synthese, Analysis, The Journal of Political Philosophy, Minds and Machines und Philosophy & Technology erschienen. 2022 wurde ich mit dem Amerbach-Preis der Universität Basel und dem Lauener-Preis für Nachwuchsphilosophen ausgezeichnet.

Meine Aufsätze sind danach gegliedert, ob sie vor allem für Leserinnen und Leser von der theoretischen, der praktischen oder der historischen Seite der Philosophie her von Interesse sind. Um die Navigation nach Themen zu erleichtern, habe ich ausserdem ein Schlagwortsystem und eine Suchoberfläche eingerichtet. Die gesamte Website ist auf Englisch, Französisch und Deutsch verfügbar. Mein Nachname wird ohne «z» ausgesprochen [ ˈkəloː ]. Um mich zu kontaktieren, können Sie mir eine E-Mail senden. Um über neue Publikationen informiert zu werden, folgen Sie mir auf Google Scholar.

Bücher

Cover von The Ethics of Conceptualization
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The Ethics of Conceptualization

Tailoring Thought and Language to Need

Oxford University Press, 2025 Open Access

Weshalb sollten wir eine Definition einer anderen vorziehen? Das Buch entwickelt einen Rahmen, um Begriffe anhand der begrifflichen Bedürfnisse zu beurteilen, die wir erkennen, wenn wir Distanz einnehmen. Es zeigt, dass manchmal vage, sogar widersprüchliche Begriffe genau das sind, was wir brauchen, und erklärt, wie man hilfreiche Klärung von begrifflicher Willkür (conceptual gerrymandering) unterscheidet.

Gegenstand der Bielefeld Masterclass in Philosophy 2024.

Zitiert in einer schriftlichen Stellungnahme an das britische Parlament (FDO0024).

„Auf welcher Grundlage sollten wir die besten Begriffe auswählen, um unsere Welt und unsere Psychologie zu repräsentieren, unsere ethischen und politischen Ideale zu formulieren? Queloz bietet eine scharfsinnige und umfassende Untersuchung, wie diese Frage beantwortet wurde und werden sollte ... ein wichtiger Beitrag zu einem wachsenden Forschungsprogramm.“ — Philip Pettit

„Eines der anspruchsvollsten und subtilsten Buchprojekte … das in den letzten zehn Jahren erschienen ist ... tritt einen Schritt zurück und kartiert das logische Terrain seines Gegenstands neu … und zeigt zudem eine bemerkenswerte Tiefe des Wissens in vielen Bereichen.“ — Jennifer Nado

„Ein beeindruckender und sorgfältig ausgearbeiteter Rahmen ... der die stärker analytisch ausgerichteten Aspekte von Queloz’ Projekt mit kontinentalen und pragmatistischen Anliegen verbindet. Diese existenzielle Dimension ... ist Teil dessen, was Queloz’ Buch so überzeugend macht“ — Céline Henne, Yvonne Huetter-Almerigi und Matteo Santarelli, Analysis

„Der bislang am weitesten ausgearbeitete Ansatz“ — Sebastian Köhler und Herman Veluwenkamp, Synthese

„Aufschlussreich, klar und beeindruckend gut gearbeitet ... philosophisch ambitioniert und relevant für eine Vielzahl aktueller Debatten“ — Stefan Fischer, Canadian Journal of Philosophy

Cover von The Practical Origins of Ideas
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The Practical Origins of Ideas

Genealogy as Conceptual Reverse-Engineering

Oxford University Press, 2021 Open Access

Eine Untersuchung der Naturzustandserzählungen und imaginativen Genealogien, die erklären, warum abstrakte Ideen überhaupt entstehen. Das Buch verfolgt diese Praxis von Hume, Rousseau und Nietzsche bis zu E. J. Craig, Bernard Williams und Miranda Fricker und zeigt, wie Genealogie jene Zwänge freilegen kann, die den Besitz bestimmter Begriffe lohnenswert machen. Das Buch wurde ins Arabische und Japanische übersetzt.

„Hervorragend ... ein prächtiges Buch“ — Cheryl Misak, Analysis

„Ausgezeichnet“ — Huw Price, Cambridge Core

„Erfrischend ambitioniert … ein Vergnügen zu lesen: Die Prosa ist lebendig, elegant und scharf, und Queloz versteht es, hochfliegende Ideale auf den Boden der Tatsachen zu holen. Ich wünschte, mehr Philosophinnen und Philosophen schrieben so gut.“ — Michael Hannon, Mind

„Bahnbrechend“ — Paul Roth, Analysis

„Aus diesem überaus anregenden Buch lässt sich enorm viel lernen“ — Peter Kail, Notre Dame Philosophical Reviews

„Klar, beeindruckend gelehrt, gut strukturiert, mit einem Gespür für historische und systematische Fragen der Genealogie … ein unschätzbarer Beitrag“ — Christos Kyriacou, Journal of Value Inquiry

Cover von Bernard Williams on Philosophy and History
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Bernard Williams on Philosophy and History

Herausgegeben von Marcel van Ackeren und Matthieu Queloz

Oxford University Press, 2025

Für Bernard Williams sind Philosophie und Geschichte tief miteinander verbunden. Er argumentiert, dass die Philosophie – anders als die Wissenschaft – ihre eigene Geschichte nicht ignorieren kann und dass jede historische Auseinandersetzung, ob sie Geschichte oder Philosophie hervorbringt, die Andersartigkeit der Vergangenheit gegenüber der Gegenwart anerkennen muss. Zudem braucht die systematische Philosophie selbst einen historischen Zugang zu ihren Begriffen. Dieser Band erkundet diese Verflechtungen anhand von Beiträgen, die Williams’ Arbeiten zur Philosophiegeschichte, seine historistische Wende und seinen Einsatz der Genealogie kritisch beleuchten. Die Sammlung verbindet auf einzigartige Weise substanzielle Diskussionen historischer Gestalten (von Homer bis Wittgenstein) mit methodischen Überlegungen dazu, wie die Philosophie Geschichte nutzen und mit ihr in Dialog treten sollte.

Vorgestellt in der Dublin Review of Books und im Prospect Magazine.