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Autorität

5 Texte

From Habitus to Systema: Keckermann and the Pedagogical Origins of Cognitive Systematicity

In Begutachtung

Argumentiert, dass das frühneuzeitliche systema des Wissens um 1600 als Lehrmaschine entstand, bevor es zu einem metaphysischen oder erkenntnistheoretischen Ideal wurde. Das scholastische Wissen hatte auf der Autorität der Kirche und auf einem in jahrelanger Disputation erworbenen habitus beruht; nach der Reformation mussten die neuen protestantischen Konfessionen Pfarrer und Lehrer rasch und in grosser Zahl ausbilden. Der Aufsatz zeichnet nach, wie der Ramismus das Wissen räumlich überschaubar machte und wie Bartholomäus Keckermanns Systema logicae (1600) ramistische Methode mit aristotelischer Substanz verband, und zeigt, dass das System die kognitive Ordnung nach aussen verlagerte: Arbeit, die zuvor gebildete Personen und Institutionen geleistet hatten, ging auf sichtbare, reproduzierbare Strukturen der Darstellung über. Die Philosophie ist, in Alsteds Formel, im Geist ein habitus und ausserhalb des Geistes ein systema. Die Tugenden der neuen Form waren die eines Mechanismus: Überschaubarkeit, Reproduzierbarkeit und Unabhängigkeit von einem bestimmten Lehrer. Durch Buchdruck und Papiertechniken verstärkt und durch eine vom stoischen systema mundi ererbte metaphysische Beglaubigung geadelt, sollte die Lehrmaschine später Wahrheit verbürgen und unpersönliche Autorität begründen. Zum Schluss fragt der Aufsatz, was beim Übergang von der Summa zum systema auf der Strecke blieb – eine Frage, die sich stellt, sooft neue Techniken, vom Zettelkasten bis zur algorithmisch erzeugten Zusammenfassung, den Weg zum Verstehen abzukürzen versprechen.

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The Authority and Politics of Epiphanic Experience

Zeitschrift für Ethik und Moralphilosophie (ZEMO) – Journal for Ethics and Moral Philosophy 9, 8 (2026).

In Reaktion auf Chappells Arbeiten zu Epiphanien stellt der Aufsatz zunächst die normative Autorität epiphanischer Erfahrungen gegenüber nüchternerer Reflexion in Frage und warnt, dass ihre Macht unsere Werte verzerren und zu einer Art „transzendenter Bauchrednerei“ führen kann. Anschliessend kritisiert er Chappells politische Lösung der „konversationellen Gerechtigkeit (conversational justice)“ und argumentiert, dass deren rationalistische Beschränkungen letztlich gerade die erfahrungs- und gefühlsbezogene Dimension unterminieren, die Epiphanien eigentlich hervorheben sollten.

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The Ethics of Conceptualization: Tailoring Thought and Language to Need

Oxford: Oxford University Press. 2025.

Philosophie will uns einen festeren Halt an unseren Begriffen geben. Aber was ist mit ihrem Halt an uns? Warum sollten wir uns der Herrschaft eines Begriffs unterstellen und ihm die Autorität geben, unser Denken und Handeln zu prägen? Eine andere Begriffsbildung hätte andere Implikationen. Was macht eine Denkweise besser als eine andere? Dieses Buch entwickelt einen Rahmen zur Beurteilung von Begriffen. Leitend ist die Idee, dass die Frage nach der Autorität von Begriffen nach Gründen besonderer Art verlangt: Gründe für den Begriffsgebrauch, die uns sagen, welche Begriffe wir übernehmen, beibehalten oder aufgeben sollten, und die damit die Gründe für Handeln und Glauben, die unsere Überlegungen leiten, stützen – oder untergraben. Traditionell hat man solche Gründe entweder in zeitlosen rationalen Fundamenten oder in den angeblichen Tugenden von Begriffen gesucht, etwa Präzision und Konsistenz. Dagegen vertritt das Buch zwei Hauptthesen: dass wir Gründe für den Begriffsgebrauch in den begrifflichen Bedürfnissen finden, die wir entdecken, wenn wir uns kritisch von einem Begriff distanzieren und ihn aus der autoethnografischen Perspektive betrachten; und dass mitunter gerade Begriffe, die in Konflikt geraten oder andere Laster wie Vagheit oder Oberflächlichkeit aufweisen, das sind, was wir brauchen. Indem wir nicht fragen, welche Begriffe absolut am besten sind, sondern welche Begriffe wir jetzt brauchen, können wir uns mit der Kontingenz unserer Begriffe versöhnen, den rechten Platz von Bemühungen um begriffliches Aufräumen bestimmen und zwischen konkurrierenden Begriffsauffassungen der Dinge entscheiden – selbst bei so umstrittenen Dingen wie Freiheit oder freiem Willen. Ein bedarfsbasierter Ansatz trennt hilfreiche Klärung von lähmendem Ordnungssinn und autoritative Definition von begrifflichem Gerrymandering.

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The Shaken Realist: Bernard Williams, the War, and Philosophy as Cultural Critique

European Journal of Philosophy 31 (1): 226–247. 2023. Mit Nikhil Krishnan.

Bietet eine neue Lesart von Ethics and the Limits of Philosophy, indem sie die weiter reichenden kulturellen Resonanzen des Buches herausarbeitet. Weit davon entfernt, bloss eine Kritik akademischer Tendenzen zu sein, erweist sich das Buch als eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, die im Gefolge des Zweiten Weltkriegs besondere Dringlichkeit erhielten: die Primatstellung des Charakters gegenüber der Methode, die Pflicht, Befehlen zu folgen, und die Möglichkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und ein sinnvolles Leben zu verbinden.

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Function-Based Conceptual Engineering and the Authority Problem

Mind 131 (524): 1247–1278. 2022.

Identifiziert ein zentrales Problem des Conceptual Engineering – das Problem, die Autorität von „konstruierten“ Begriffen zu begründen – und argumentiert, dass dieses Problem sich im Allgemeinen nicht durch den Verweis auf grössere Präzision, Konsistenz oder andere theoretische Tugenden lösen lässt. Eine Lösung erfordert, dass Conceptual Engineering eine funktionale Wende vollzieht und die Funktionen von Begriffen in den Blick nimmt. Das hilft zudem, Strawson’sche Sorgen über Themenwechsel zu entschärfen.

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