Aufgeführt unter Philosophiegeschichte

From Habitus to Systema: Keckermann and the Pedagogical Origins of Cognitive Systematicity

In Begutachtung

Argumentiert, dass das frühneuzeitliche systema des Wissens um 1600 als Lehrmaschine entstand, bevor es zu einem metaphysischen oder erkenntnistheoretischen Ideal wurde. Das scholastische Wissen hatte auf der Autorität der Kirche und auf einem in jahrelanger Disputation erworbenen habitus beruht; nach der Reformation mussten die neuen protestantischen Konfessionen Pfarrer und Lehrer rasch und in grosser Zahl ausbilden. Der Aufsatz zeichnet nach, wie der Ramismus das Wissen räumlich überschaubar machte und wie Bartholomäus Keckermanns Systema logicae (1600) ramistische Methode mit aristotelischer Substanz verband, und zeigt, dass das System die kognitive Ordnung nach aussen verlagerte: Arbeit, die zuvor gebildete Personen und Institutionen geleistet hatten, ging auf sichtbare, reproduzierbare Strukturen der Darstellung über. Die Philosophie ist, in Alsteds Formel, im Geist ein habitus und ausserhalb des Geistes ein systema. Die Tugenden der neuen Form waren die eines Mechanismus: Überschaubarkeit, Reproduzierbarkeit und Unabhängigkeit von einem bestimmten Lehrer. Durch Buchdruck und Papiertechniken verstärkt und durch eine vom stoischen systema mundi ererbte metaphysische Beglaubigung geadelt, sollte die Lehrmaschine später Wahrheit verbürgen und unpersönliche Autorität begründen. Zum Schluss fragt der Aufsatz, was beim Übergang von der Summa zum systema auf der Strecke blieb – eine Frage, die sich stellt, sooft neue Techniken, vom Zettelkasten bis zur algorithmisch erzeugten Zusammenfassung, den Weg zum Verstehen abzukürzen versprechen.

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