Metapher 1

Wie sich Denken und Sprache wandeln: Metapher als Prozess begrifflicher Anpassung an künstliche Intelligenz

Manuskript

Argumentiert, dass kognitive Termini wie „Verstehen“ oder „Schlussfolgern“ immer häufiger auch von technisch versierten Forschenden auf große Sprachmodelle angewandt werden und dass solche Anwendungen weder als wörtliche Zuschreibungen noch als bloß lockere Rede zu begreifen sind, sondern als Metapher im Sinne begrifflicher Anpassung: als kreative Ausdehnung von Begriffen über ihren ursprünglichen Bereich hinaus unter dem Druck begrifflicher Bedürfnisse. Im Rückgriff auf die Strawson-Kant-Tradition zu Einbildungskraft und Begriffsanwendung, auf inferentialistische Semantik, auf Bermúdez’ Theorie rationaler Rahmung und auf Gentners Structure-Mapping-Theorie der Analogie entwickelt der Aufsatz einen Rahmen mit vier ineinandergreifenden Komponenten: selektive Übertragung inferenzieller Verknüpfungen statt von Referenz, die leitende Rolle begrifflicher Bedürfnisse und ihrer aptischen Normativität, die empirische Prüfbarkeit übertragener Verknüpfungen mithilfe mechanistischer Interpretierbarkeit sowie die „Karriere“ kognitiver Termini im KI-Kontext von neuartigen Vergleichen über inferenzielle Aushandlung bis hin zu möglicher Konventionalisierung. Damit verschiebt der Aufsatz die Debatte über die wörtliche Anwendbarkeit kognitiver Termini auf KI hin zu abgestuften und empirisch bearbeitbaren Fragen nach der Passung bestimmter inferenzieller Übertragungen und zeigt zugleich, dass die Wahl eines kognitiven Vokabulars für KI evaluativ und praktisch folgenreich ist.

Philosophie der KI, Begriffe, Sprachentwicklung, Inferenz, große Sprachmodelle, Metapher

PDF folgt