Systematizers: Reason, Machines, and the Rise of Systematic Thought in Early Modern Philosophy, 1517–1790

Buchmanuskript.

Philosophinnen und Philosophen behandeln den Drang zu systematischem Denken oft als zeitlose Forderung der Rationalität. Eine Gegentradition warnt jedoch davor, dass dieser „Wille zum System“ zum Ersatz für moralischen Charakter werden, einem ästhetischen Fetisch dienen oder sich in eine gefährliche Maschinerie der Verallgemeinerung verwandeln kann. Als Antwort auf diese Kritik an der Systematisierung bietet das Buch eine genealogische Rekonstruktion des Ideals kognitiver Systematizität. Es fragt nicht nur, wie das Denken systematisch wurde, sondern auch, warum – und zeichnet die Entwicklung dieses Ideals von seinen Wurzeln in der Zeit nach der Reformation bis an die Schwelle des Deutschen Idealismus nach, also von Keckermann bis Kant.

Über die gängige historische Erklärung hinaus, der zufolge Systeme bloss dazu errichtet wurden, den metaphysischen Bauplan eines vernünftig eingerichteten Universums abzubilden, argumentiert das Buch, dass frühneuzeitliche Denker die Forderung nach kognitiver Systematisierung einführten, um die Vorzüge gut konstruierter Maschinen nachzuahmen. Indem sie kognitive an mechanischen Tugenden ausrichteten, verlagerten diese Systematiker die Autorität des Wissens aus den inneren, persönlichen Dispositionen einzelner Denker — dem habitus — in verselbständigte, nach aussen verlagerte Architekturen. Anhand historischer Fallstudien von Ramus und Keckermann über Descartes, Hobbes, Spinoza und Cavendish sowie Leibniz, Newton und Du Châtelet bis hin zu Condillac, Diderot, D’Alembert, Rousseau und Kant arbeitet das Buch drei unterschiedliche praktische Begründungen dieser Mechanisierung des Denkens heraus: eine pädagogische, wonach Systematisierung Wissen vermittelbar macht; eine erkenntnistheoretische, wonach Systematisierung das Denken selbstbeglaubigend und selbstkorrigierend macht; und eine politische, wonach Systematisierung öffentliche Autorität rechenschaftspflichtig und gerecht macht.

So sehr diese Begründungen den systematischen Impuls als praktische Notwendigkeit statt als blosse Marotte ausweisen, so verfolgt die Genealogie doch auch eine Gegentradition, von Cavendishs Vitalismus über Diderots Polyphonie bis zu hegelschen Reaktionen auf Kant, die die Kosten einer Nachahmung maschineller Tugenden sichtbar macht. Wird die kognitive Systematisierung über ihren eigentlichen Bereich hinausgetrieben, droht sie dogmatisch zu werden und eher das Rattern eines Getriebes hörbar zu machen als den Zusammenklang der Vernunft. Damit bietet das Buch einen begrenzenden Deutungsrahmen, um sowohl den unverzichtbaren Wert der Systematisierung des Denkens als auch die Bedeutung seiner Grenzen zu verstehen.

Systematizität, Genealogie, frühneuzeitliche Philosophie, begriffliche Bedürfnisse, Rationalismus, Autorität